Journal
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16.04.2018

Yoga.
Die unerschöpfliche Körper-Geist-Praxis 

felicia hayden sittin in temple in meditation

In einer der anspruchsvollsten und grenzwertigsten Zeiten meines Lebens war mir das Praktizieren der Yoga Asana eine wertvolle Unterstützung, meinen Alltags-Herausforderungen fokussiert, in wachsamer Hingabe, in körperlicher Vitalität und geistiger Balance zu meistern.

Die Synchronisation der Atmung mit der Bewegung und das Fühlen der Körpersensationen beim Ausüben der Asana waren intensive Stimuli meines Nervensystems, die mich eine tägliche “Meditation-in-Bewegung” erleben ließen. Erdend. Den Körper spürend, den Geist ruhend.

Rückblickend verstehe ich, dass mir das Yoga eine holistische Wahrnehmung meines Selbst eröffnete; mich zumindest eine Ahnung meines tiefen Wesenskerns, meiner Essenz erfahren ließ.

Mit dem Verlust meiner geliebten Mama war ich nun bereit anzunehmen, dass der Tod eigentlich kein Verlust ist, sondern Teil der Seins-Fülle des kontinuierlichen “Werdens und Vergehens”. Das ist das pure Leben. Eine ständige, immerwährende Transformation von einer Seinsform in eine andere.

Nach dieser emotional so intensiven Zeit wuchs in mir eine große Sehnsucht nach Stille, innerer Einkehr, einem Erleben abseits des hektischen Alltagstrubels. So entsagte ich mich allen sozialen Konventionen und kehrte für mehrere Wochen in ein christlich-zen-buddhistisches Kloster in den Österreichischen Bergen als Klostergast auf Zeit ein.

Erstmals erlebte ich das Schweigen als heilig. Das Aufstehen vor dem Sonnenaufgang und Ruhen nach Sonnenuntergang als regenerierend. Die strenge Meditations-Praxis als befreiend. Die Stille wurde mein unmittelbarster und herausforderndster Lehrer. Meine Gedanken begriff ich mehr und mehr als dahinziehende Besucher. Und meine Asana-Praxis entfaltete sich vertieft.

Das Yoga lernte ich nun in seiner holistischen Ausprägung des achtgliedrigen Pfades nach Patanjali kennen. Die Körperübungen repräsentieren nämlich nur einen kleinen Aspekt des Yoga. Ethisches und moralisches Verhalten in der Gesellschaft, Selbstfürsorge, Atemübungen, Innenkehr der Sinne, Konzentration, Meditation und vollkommene Erkenntnis über den innersten Wesenskern sind konkrete und praktische Methoden, einen freudvollen Alltag zu genießen und sich im Einklang mit dem Universum zu verstehen.

Seitdem begleitet mich Yoga als unerschöpfliche, immer-nährende Körper-Geist-Praxis. Und ich bin dankbar,  es mit Menschen  teilen und weitergeben zu dürfen.

Ⓒ2019 - Pavanetto F.